ris an unneig/aig an unneig

Grammatikfragen zum Gälischen - hier bist du richtig
Gast

Beitragvon Gast » Di Aug 23, 2005 2:51 pm

Hallo,
ich bin's schon wieder - mit einer meiner Nachhak-Fragen aus TAIC (Lektion 7):
Mal wird "am Fenster" dort mit "ris an unneig" und mal mit "aig an unneig" übersetzt.

Sind die beiden austauschbar oder gibt es da Bedeutungsunterschiede?

Danke schon mal! :)

Gotje.

Kurt
Beiträge: 111
Registriert: Do Apr 29, 2004 4:21 pm
Wohnort: Hamburg, A'Ghearmailt
Kontaktdaten:

Beitragvon Kurt » Di Aug 23, 2005 3:39 pm


Hallo,
ich bin's schon wieder - mit einer meiner Nachhak-Fragen aus TAIC (Lektion 7):
Mal wird "am Fenster" dort mit "ris an unneig" und mal mit "aig an unneig" übersetzt.

Sind die beiden austauschbar oder gibt es da Bedeutungsunterschiede?

Danke schon mal! :)

Gotje.


Moin, moin,

ich habe zwar TAIC gerade nicht zur Hand ;) , aber um die Diskussion ein wenig anzuheizen:

ris an uinneig müsste meines Erachtens "eigentlich" ris an uinneag heissen, bedeutet aber wohl mehr "zum Fenster".

Ich bevorzuge "ri taobh na h-uinneige" - dann ist der Genitiv auch richtig - sofern man ein Fenster als weiblich ansieht. ri taobh hatte ich immer als "nahebei" oder "neben" verwendet.

aig an uinneag (mit Dativ) bedeutet wohl eher "an dem Fenster".

Das deutsche "am Fenster" wäre sinngemäß anns an uinneag (sagt bloß keiner, wäre Germanismus). Im Prinzip befindet man sich ja aber in der Fensterhöhle (uamh uinneige? :D ).

So, wollen doch mal sehen, welche(r) Linguist(in) jetzt zum Angriff übergeht.

Dùrachdan
Kurt Duwe
Suas leis a'Ghàidhlig!

Die erste Sprache reicht meist zum Überleben.
Erst mit der zweiten öffnet sich die Welt.

Ulli
Beiträge: 1114
Registriert: Fr Mai 07, 2004 9:21 pm
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Ulli » Di Aug 23, 2005 3:56 pm

Hallo, also erst einmal: Ich weiß es nicht; :shock: ich hatte so das Gefühl, "ris an uinneig" benutzt man eher beim Aus-dem-Fenster-Hinaussehen und so und "aig an uinneig", wenn man nur so "in der Nähe des Fensters" meint.
Aber wie gesagt, daß ist nur eine Vermutung, weil "ris" oft mit "gegen" übersetzt wird.

Was ich eigentlich dazu fragen wollte: Wieso denn nun "ris/aig an uinneag" statt "...uinneig"? Das ist doch wirklich der weibliche Dativ, oder? :?

Ulli
Latein ist die große Schwester des Gälischen: Sie war damals mein erstes Baby und jetzt hilft sie mir, die Kleinen mit großzuziehen!

Kurt
Beiträge: 111
Registriert: Do Apr 29, 2004 4:21 pm
Wohnort: Hamburg, A'Ghearmailt
Kontaktdaten:

Beitragvon Kurt » Di Aug 23, 2005 5:58 pm

Verwirr, verwirr,

es wird aber "aig an uinneag" gesprochen anstatt "aig an uinneig". Schriftlich scheiden sich die Geister.

Ist doch toll, was eine einfache Frage so alles aufwirft.

Und wenn die Grammatik-Katze aus dem Haus ist, tanzen die Lernmäuse auf dem Tisch. :D

In diesem Sinne
Kurt Duwe

Suas leis a'Ghàidhlig!



Die erste Sprache reicht meist zum Überleben.

Erst mit der zweiten öffnet sich die Welt.

Gast

Beitragvon Gast » Di Aug 23, 2005 6:12 pm

Huhu,

ich bin zwar Anfängerin, aber ich meine gelesen zu haben, dass es im gesprochenen Gälisch unüblich ist, den weiblichen Dativ zu benutzen, in der Schriftsprach dagegen ist er natürlich korrekt.

Was die Bedeutungsunterschiede von "ris an unneig" und "aig an unneig" angeht, bin ich natürlich immer noch ganz Ohr! ;)

Gotje.

Ulli
Beiträge: 1114
Registriert: Fr Mai 07, 2004 9:21 pm
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Ulli » Di Aug 23, 2005 7:52 pm

Und ich habe das so verstanden, daß der weibliche Dativ zwar die (einzige) korrekte Form ist, der Nominativ an dieser Stelle aber üblich ist.

Das macht (für mich) insofern einen Unterschied, daß letzteres heißt, daß der Nominativ zwar richtig falsch ist, aber wegen seiner Häufigkeit notgedrungen toleriert wird...
Ich stelle mir das so vor wie das "wegen dem" im Deutschen, das man zwar wegen seiner Häufigkeit sogar schon im Duden findet, mit dem man sich aber doch ziemlich stark disqualifiziert...
So, und nun Ihr wieder! Wie seht Ihr das? (*erboste-Diskussion-lostret*)

Ulli ;)

P.S.: Letzteres war K-E-I-N Imperativ, falls mir das einer zugetraut haben sollte! :D
Latein ist die große Schwester des Gälischen: Sie war damals mein erstes Baby und jetzt hilft sie mir, die Kleinen mit großzuziehen!

Sleite
Beiträge: 1697
Registriert: Sa Jan 24, 2004 2:16 am
Wohnort: Slèite, An t-Eilean Sgitheanach

Beitragvon Sleite » Di Aug 23, 2005 8:20 pm

Ob jetzt ris oder aig weiß ich nicht. Aber ich würde auf jeden Fall einen anständigen Dativ benutzen. Und wenn mich nicht alles täuscht macht das auch in der Aussprache keinen Unterscghied (lass mich da aber auch korrigieren)

Ob ris an uinneig "aus dem Fenster" (sehen) heißt weiß ich nicht. Ich kenne "Coimhead a-mach air an uinneig" für aus dem Fenster sehen. Sonst kann ich da auch nichts zu sagen.

Slèite
Cha dèan brògan tioram iasgach.

Sleite
Beiträge: 1697
Registriert: Sa Jan 24, 2004 2:16 am
Wohnort: Slèite, An t-Eilean Sgitheanach

Beitragvon Sleite » Di Aug 23, 2005 11:01 pm

Nachdem ich jetzt unseren Chat-eigenen Muttersprachler gefragt hab, ändere ich meine meinung:
Uinneag wird mit einem kurzen a ausgesprochen und uinneig mit einem kurzen e. Kann sein, dass das umgangssprachlich auch schonmal vergessen wird. Ich versuch das nicht zu tun. Sprachwandel a-hoi

Slèite
Cha dèan brògan tioram iasgach.

Gast

Beitragvon Gast » Mi Aug 24, 2005 9:57 am

Kann es nicht sein, daß "ris an uinneig" sowas wie "dem Fenster zugewandt" heißt und "aig an uinneig": "beim Fenster". Das paßt beidesmal und drückt auch fast dasselbe aus (in dem genannten Beispiel, wo man beim Fenster sitzt, weil es warm ist).
Z.B. habe ich folgenden Satz gefunden:
"Bha a' Bhaintighearna na seasamh taobh eile an t-seòmair, is a cùl ris an uinneig." Das müßte doch übersetzt heißen, daß ihr Rücken dem Fenster zugewandt war (und sie nicht unbedingt neben dem Fenster saß).

Auch Akerbeltz hat eine ausführliche Erklärung der vielfältigen Präposition "ri": http://www.akerbeltz.org/beagangaidhlig/gramar/grammar_ri.htm (da gibt's sowieso jede Menge interessantes Zeug!)

Alles noch verwirrender oder klarer?

Olaf

UnaMac
Beiträge: 567
Registriert: Mo Mär 07, 2005 6:38 pm
Wohnort: Isle of Skye

Beitragvon UnaMac » Mi Aug 24, 2005 9:06 pm

So wuerde ich den Satz, den du da zitierst, auch uebersetzen, Olaf: 'mit dem Ruecken zum Fenster'. 'uinneig' ist kein Genitiv, sondern der weibliche Dativ. Wird aber wirklich beim Schreiben benutzt; beim Sprechen wird normalerweise nur der Genitiv entsprechend ausgesprochen, wenn uebrhaupt; viele Muttersprachler wuerden alles wie 'uinneag' aussprechen.

Klar wie Klossbruehe, oder? :D

Ùna
Bhith beò beathail ged nach bitheadh tu beò ach leth-uair.

Eilidh
Beiträge: 387
Registriert: Do Aug 11, 2005 3:30 am
Wohnort: Carolina a Tuath
Kontaktdaten:

Beitragvon Eilidh » Do Sep 08, 2005 8:47 pm

kann zwar nicht viel beitragen ausser Erfahrung aus anderen Sprachen wo doch ein deutlicher Unterschied zwischen gesprochener Sprache und schriftlichem besteht, wie hier schon bemerkt, denkt doch nur an die vielen Akzente und Dialekte und die Standardschriftsprache.

Nun zur Sache: ich hatte bisher den Eindruck dass ris wie eine Bewegung darstellt. dem Fenster sich zuwenden, dem Radio zuhoeren, zu jemanden sprechen (nicht nur mit), etwas zu etwas anderen geben ... Im Hinblick auf die vielen anderen Beispiele wo ein Unterschied zwischen Standort und Bewegung gemacht wird. aig wuerde dann das Equivalent zum Standort sein, an der Tuere, an dir sein...

Koennte das sein? :D


Zurück zu „Gràmar na Gàidhlig“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast