Fragen von Angel: Artikel beim Hauptwort / Nomen

Grammatikfragen zum Gälischen - hier bist du richtig
mona nicleoid
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Beitragvon mona nicleoid » Sa Mär 24, 2007 1:20 pm

So, ich habe das hier mal rüberkopiert, weil ich es lieber hier beantworten möchte, da können es auch andere Leute leichter finden und es kommt allen zugute.
Es ist schon sinnvoll, die Fragen im richtigen Forumsbereich zu stellen, denn dafür hat Mìcheal das Forum ja so erstellt und strukturiert. Ich denke, dir als Anfängerin bringt es auch nicht so viel, wenn du an andere Anfänger solche Fragen per Mail schreibst oder so etwas...
So, hier also deine Fragen:


Beim Lernen der bestimmten und unbestimmten Artikel bin ich auf folgende Fragen gestoßen. Ich habe diese von einer Lern-CD, die leider keine Erklärungen gibt und wo ich nur die Übersetzungen üben kann.

a)
Mädchen = caileag
Das Mädchen = a' chaileag
Die Mädchen = na caileagan
- Wieso wird beim definitiven Artikel das Substantiv leniert? Ist das nur hier so oder ist es eine feste Regel bei allen weiblichen Substantiven?
- Wieso heißt es a' und nicht an -> das Substantiv fängt doch mit einem Konsonanten an? Gefunden habe ich in diesem Zusammenhang auch: a' chaithair und a' cheist seo.
Wird ch vielleicht generell als Vokal angesehen und behandelt???

b)
die Äpfel = na h-ubhlan
dieser Apfel = an t-ubhal seo
dieses Pferd = an t-each seo
Heißt dass, das im Mehrzahl das Substantiv mit Anfangsvokal immer ein h- bekommt und im Einzahl ein t- ?

c)
die Woche = an t-seachdain
Das Substantiv fängt hier mit einem Konsonanten an. Wieso dann noch ein t- dazwischen statt zu sagen an seachdain.

d)
der Abend = an oidhche
Hier ist es umgekehrt. Der Anfangsbuchstabe ist ein Vokal, wieso dann hier nicht an t-oidhche, wie oben auch bei Apfel und Pferd praktiziert?

e)
die Schwester = a' phiuthar
Ich hätte hier gedacht am phiuthar, wie auch in am peann


Also, schauen wir mal. Wie gesagt, die Lern-CDs taugen nicht so viel, halte dich besser an das Kauderwelsch-Buch, die TAIC-Webseite, und ansonsten bemühen wir uns hier deine Fragen zu beantworten :)

Es ist folgendermaßen: Gälisch hat maskuline (männliche) und feminine (weibliche) Nomen (Hauptwörter). In der deutschen Sprache haben wir ja sogar drei Geschlechter und entsprechend drei verschiedene Artikel:
der Mann
die Frau
das Kind
Und je nachdem, in welchem Kasus (Fall, Beugungsform) das Wort steht, ändern sich diese Artikel:
das Haus des Mannes
das Haus der Frau
das Haus des Kindes

Auf Gälisch ist das Prinzip genauso, und zum Glück sind es nur zwei Geschlechter, keine drei. Und es gibt nur drei unterschiedliche Fälle, weil die Formen des Akkusativs genauso aussehen wie die des Nominativs. Das heißt, wie bei anderen Sprachen auch (z.B. Französisch oder Latein) musst du für jedes Nomen das Geschlecht mitlernen, damit du hinterher weißt, wie die Artikel an diesem Wort funktionieren. Das müssen Ausländer, die Deutsch lernen, ja auch tun.

Eine Übersicht, wie der gälische Artikel funktioniert, findest du z.B. hier:
http://www.taic.btinternet.co.uk/appendix9.htm
Es steht aber auch in Mìcheals Buch. Ich möchte es jetzt ungern hier alles aufschreiben, aber wenn du so nicht durchsteigst, können wir es dir sicher noch mal erklären...

Kurz zu deinen Punkten:

a) Ja, wie du richtig vermutet hast, verursacht der weibliche Artikel im Nominativ Lenition.

b) Ja, deine Vermutung ist auch richtig, im Plural wird ein h- vor Vokal eingeschoben.

c) seachdain ist feminin, da gibt es dieses t- vor s+Vokal.

d) oidhche ist auch feminin, da gibt es das t- eben nicht vor Vokal.

e) das ist wiederum feminin und es gilt die Regel wie bei a)

:) Das mag jetzt alles auf den ersten Blick verwirrend klingen, aber am besten schaust du dir mal eine übersichtliche Tabelle dazu an.
Wenn du noch Fragen hast, frag einfach!
Mona
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Beitragvon angel » So Mär 25, 2007 3:40 pm

Hallo Mona,

ich werde mich demnächst bemühen meine Postings in das richtige Forum zu schalten - danke fürs Kopieren.

Ich weiß. Als ich vor einigen Jahren Deutsch gelernt habe, war ich anfangs auch verwirrt wegen der vielen verschiedenen Deklinationen. Irgendwann habe ich es dann doch kapiert.

Lieben Dank für Deine Ausführungen, die kleinen 'Regelchen' machen es für mich doch besser verständlich.

Ich kenne Michael's Buch nicht, werde mich jedoch bald mal darum bemühen - das scheint etwas zu sein, was ich brauchen kann, da ich zum besseren Verständnis gerne nach Regeln lerne. Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass ich die Sprache dann auch besser anwenden und schreiben kann.


Aingeal

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Beitragvon Micheal » So Mär 25, 2007 4:02 pm

Schottisch-Gälisch Wort für Wort Kauderwelsch Band 172 erschienen im Reise Know How Verlag Bielefeld, dazu gibt es eine Hör CD oder eine CD-Rom, wo beides- Buch und CD drauf sind.

bekommst du in jeder Buchandlung

le dùrachd

Der Autor

Mìcheal :)
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Beitragvon Eanraig » Mo Mär 26, 2007 2:32 pm

Zum Thema Artikel habe ich auch noch eine Frage:
Im CSG steht dazu in einer Übung das Wort forca (weiblich), mit Artikel soll das dann laut Antwortteil heißen: a' forc.
Müsste das aber nicht an fhorca sein?
Irgendwie bin ich jetzt verwirrt... :?

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Beitragvon Catriona » Mo Mär 26, 2007 2:55 pm

Halò a Masteff,

meinst du Gabel = forc(a) f ?
ich bevorzuge "forc"
Das heisst dann mit Artikel "an fhorc" im Nominativ!
"na forca" im Genitiv!
"an fhorc" im Dativ!

Seite 40 ff im Kauderwelsch-Büchlein :)

Alle Klarheiten beseitigt?

Dùrachdan

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Beitragvon Eanraig » Mo Mär 26, 2007 6:15 pm

Tapadh leat!
Das dachte ich eigentlich auch. Deshalb hab ich mich ja darüber gewundert. Schön, dass andere auch mal Fehler machen. ;)

mona nicleoid
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Beitragvon mona nicleoid » Mo Mär 26, 2007 8:05 pm

Bei solchen Lehnwörtern passiert es schon mal, dass manche Leute Hemmungen haben, die grammatischen Regeln des Gälischen anzuwenden, gerade wenn sich dabei ein Anlaut so stark verändert wie bei forc -> an fhorc.
Mona
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Beitragvon Micheal » Di Mär 27, 2007 5:03 pm

Das wirst du generell bei Wörtern sehen, die mit F beginnen. Obwohl man eigentlich air an fhòn - am Telefon oder anns an fhrid - im Kühlschrenk sagen müßte, hört und liest man aber überwiegend: air a' fòn, anns a' fhrid. Die richtige Form hört sich für viele komisch an.


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Beitragvon Ulli » Do Mär 29, 2007 8:52 am

Moment, Moment! Heißt das nun, wir müssen "air a'fòn" und so nicht als Ausnahmen lernen, sondern "air an fhòn" geht auch und ist nur ungebräuchlich statt falsch? Und sogar richtiger?

Ulli :?
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Beitragvon mona nicleoid » Do Mär 29, 2007 9:13 am

Es ist die Frage, ob und von wem du verstanden werden willst, Ulli. Ich habe mich mal genau über dieses Thema mit der netten Frau unterhalten, die in Portree in dem SMO-Laden steht (wenn ich mich recht erinnere) und die meinte nämlich, wenn sie mit Lernern spricht, hat sie sich angewöhnt, bei Ausdrücken wie z.B. "glè fhurasda" oder "glè fhuar" immer noch mal das Grundwort - "furasda", "fuar" - danach zu sagen, weil der Schwund des "f" es für viele Lerner wirklich schwer macht, die Wörter zu erkennen.
Und dann kamen wir auch auf so Wörter wie "fòn" usw., und sie war der Meinung, dass es bei diesen Wörtern noch verwirrender wäre, da sie noch nicht so lange in der Sprache drin seien, und deshalb sei es auch für ältere Muttersprachler nicht so leicht, im Moment des Hörens von z.B. "òn" zurückzudenken auf "fòn". Außerdem würde man diese Wörter ja so oft auf Englisch hören, dass man sie ungern auf Gälisch verändern möchte, während es bei eigentlich gälischen Wörtern ganz normal sei.

Man kann sich nun darüber streiten, ob das sprachpolitisch korrekt ist, das ist vielleicht mehr eine Gefühlssache. Man gucke sich nur mal an, wie unbeholfen man auch im Deutschen manchmal mit den englischen Fremdwörtern hantiert, z.B. wird dann darüber diskutiert, heißt das nun "gedownloadet" oder "downgeloadet" oder soll man direkt "heruntergeladen" sagen, während ältere französische Lehnwörter ganz problemlos auch grammatisch integriert sind.
Mona
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Beitragvon Ulli » Do Mär 29, 2007 9:25 am

Naja, aber bei "download" gibt es eben ein brauchbares deutsches Wort, und das benutze ich ja sowieso, wenn ich einen deutschen Satz bilde, da brauche ich dem englische Wort ja gar nicht erst so Gewalt anzutun. Mir fällt auch spontan gar kein deutscher Satz ein, der mit "download" nicht irgendwie komisch klänge... außer vielleicht zur Nooooooooooooot (wirklich nur dann!!!) als Substantiv. Und das wäre auch schon ziemlich gekünstelt...
Aber bei "fòn", etc. gibt's ja wohl keine gälische Entsprechung, oder? Im Deutschen haben wir ja immerhin noch das Wort "Fernsprecher", das ja durchaus üblich ist, im Gegensatz zu diesen künstlichen Ungetümen mit "...endeinrichtung" hinten (den Anfang hab' ich sowieso schon wieder vergessen).

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Beitragvon NoClockThing » Do Mär 29, 2007 11:13 am

Naja, Micro$oft ist da offensichtlich anderer Meinung, bei denen heißt das gedownloaded *grusel*
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Beitragvon Ulli » Do Mär 29, 2007 11:56 am

Die sind ja nun auch wirklich keine höhere Instanz für Grammatik!!
Waren das nicht die, die sich auch schon zu "Gebe...an" verstiegen hatten?

Urghh!
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