Gälisch in der Schule

mona nicleoid
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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon mona nicleoid » Mo Okt 11, 2010 9:25 am

Deine Vergleiche mit Katalan hinken insofern, als Katalan und Kastilisch zwei sehr nah verwandte Sprachen sind, und ein Sprecher der einen sich mit etwas gutem Willen mühelos in die andere einhören und -lesen kann (wurde mir von diversen Spanischsprechern bestätigt).
Englisch und die keltischen Sprachen hingegen sind völlig verschieden voneinander, weshalb es nie zu einer völlig problemlosen Koexistenz kommen könnte.

Im übrigen sind auf den Western Isles viele Straßenschilder einsprachig :) Das ist völlig unspektakulär und ändert auch nix an der Einstellung der Leute zur Sprache. Vielleicht solltest du einfach mal hinfahren und dich umschauen, um einen realistischen Eindruck zu bekommen.

Was Irland betrifft, dort sieht es leider insgesamt nicht viel besser aus. Ja, es gibt Leute, die gern Irisch sprechen, es gibt aber auch viele, denen es durch den obligatorischen Schulunterricht und schlechte Unterrichtsmethoden verleidet wurde und die nichts mehr damit zu tun haben wollen. Die Sprache war in Irland schon immer ein Politikum, und gerade Jugendliche kann man damit meist eher abschrecken, sie haben nämlich keine Lust, sich instrumentalisieren zu lassen.
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Isbeal
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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Isbeal » Mo Okt 11, 2010 1:16 pm

Hallo, Abendländer,
Deine Engagement für Gälisch ist lobenswert, aber ich stimme mit Mona hier überein, es ist alles sehr, sehr theoretisch, und mit viel zu viel 'soll' versehen. Das kommt nicht mal bei mir gut ann, die lange in Deutschland lebe und viel Sympathie für die Denk- und Argumentationsweise habe; es kommt bei einheimischen Schotten mit Sichereit noch weniger gut an. (Wir schon, vielleicht etwas weicher, von mir oben angedeutet. :P )

Fahr mal dahin, mach einen Gälischkurs, aber fahr auch mal rum und unterhalte dich mit vielen verschiedenen Schotten, im Norden und im Süden, im Osten und im Westen. Lese (vielleicht schon jetzt) die Leserbriefe in den Zeitungen, sobald Gälisch für irgendeinen Zweck oder von irgendeiner Quelle etwas Geld bekommt. (s. Fòram na Gàidhlig für täglich neue Beispiele.)

Und, bitte, schreib mal etwas AUF Gälisch in den entsprechenden Rubriken, mindestens ab und zu, statt nur ÜBER Gälisch! Das wird deine Anstrebungen noch weiter unterstreichen :twisted: :twisted: :twisted:

Ich hoffe, du nimmt dies alles als freundlich gemeint - das ist es wirklich! :D

Abendländer
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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » Di Okt 12, 2010 8:14 pm

Chan eil mòran Gàidhlig agam :D Tha mi ag ionsachaidh. Sàsta?

Natürlich sind die Vergleiche nicht eins zu eins übertragbar. Aber man kann doch Schlüsse und grobe Vergleiche daraus ziehen. Ich bewundere aber die Entschlossenheit der Katalanen.
Das ist ja schon einmal etwas, daß es auf den Inseln einsprachige Schilder gibt. Man wird natürlich niemals erreichen, daß alle Einwohner der Sprache und seiner Föderung vorbehaltlos bejahend gegenüberstehn. Es gilt nur seitens der Befürworter, genügend Leute auf ihre Seite zu ziehen.
Irland hat selbstverständlich seine Schwächen. Vor allen Dingen ist es ein schlechter Witz, daß viele Iren keinen einzigen Satz zusammenkriegen, obwohl sie Irisch jahrelang in der Schule hatten. Von amtlicher Seite gibt es große Worte, die sich bei Betrachtung der Wirklichkeit als leeres Geschwätz erweisen.
Aber das ändert nichts daran, daß die Gaelscoils ein durchschlagender Erfolg sind. Hier wird den Jugendlichen ein irischsprachiger Alltag und ein kultureller Stolz vermittelt, so daß der Gebrauch der Sprache für sie einfach selbstverständlich ist.
Ich bin der Überzeugung, daß ein Schuß Kämpfergeist dafür gut ist, voranzukommen. Das denke ich nicht nur bei Schottland. Mich nervt in meinem eigenen Land gewaltig die fast nicht vorhandene Heimattreue und das seichte Geschwätz beim Erhalt unserer Regionalsprachen.

Ich würde gerne nach Schottland fahren und mir selber alles ansehen. Nur ich bin ein armer Schlucker und kann mir keine umfangreiche Reisen leusten. Ich bin von allen keltischen Sprachen gefesselt und habe meine Reisen, die ich mir mithilfe meiner Eltern leisten konnte, auf Irland gebündelt. Ich würde gerne eine Rundreise durch die keltischen Länder der britischen Inseln machen, aber kann es mir derzeit nicht leisten.
Es sind nicht alle so reich wie unser Michael.
Suas leis a' Gàidhlig,

Alex

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Micheal » Mi Okt 13, 2010 4:00 pm

Es muss aber doch auch die Frage gestellt werden, warum Schottland ein einsprachiges Land werden sollte - auf die eine oder andere Weise. Es ist in seiner Geschichte nie einsprachig gewesen. Es ist auch nicht zielführend, die im eigenen Land gefühlten Defizite im Bezug auf regionales und nationales Kultur- und Spracherbe auf ein anderes Land zu projizieren, frei nach dem Motto "dann wenigsten da". Um es kurz und deutlich zu sagen: Muttersprachler haben das Recht, alles mit ihrer Sprache zu machen. Und wenn sie beschließen, sie nicht mehr zu sprechen - aus welchen Gründen auch immer - dann kann ich das bedauern, aber auch nicht ändern.

Zwang oder Belehrungen von außen erreichen zumindest in den gälischsprachigen Gebieten genau eine gegenteilige Trotzreaktion - verständlich nach den immer wiederkehrenden Zwängen, denen sich die Gälen auf vielen gesellschaftlichen Gebieten jahrhundertelang ausgesetzt sahen.
Ich für mich halte es so, dass ich Entwicklungen, die ich für unterstützenswert halte, mit meinen Möglichkeiten als Ausländer unterstütze - dies allerdings mit der gebotenen Zurückhaltung. Jeden Gälischlerner,und -sprecher, der - wie falsch auch immer - beginnt auf Gälisch zu schreiben und zu sprechen und dem ich helfen konnte, seine Kenntisse zu erwerben und zu verbessern, betrachte ich als Erfolg auf diesem Weg.
Und ja, ich bin sehr reich. Bereichert von einer wunderbaren Sprache und Lehrern und Freunden und völlig Fremden, die mich in meinen Bemühungen immer unterstützt haben, damit ich die Arbeit tun kann, die ich heute tue. Dies betrachte ich als Privileg und Verpflichtung.

Agus chan eil mise sàsta idir le aon rosgrann a-mhàin! Sgrìobh barrachd an-seo is ionnsaich barrachd is gheibh thu gach cuideachadh bho bhuill a' bhòrd-bràth seo.
Und ich bin nicht zufrieden mit nur einem Satz! Schreib und lerne mehr hier und du bekommst jede Unterstützung von Mitgliedern dieses Forums.

Am bodach beairteach
Deutsches Zentrum für gälische Sprache und Kultur
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http://www.schottisch-gaelisch.de
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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Livia » Fr Okt 15, 2010 11:12 pm

Ich hab ein ziemlich schlechtes Gewissen, weil ich zwar regelmäßig ins Forum schaue, aber mit meinem Gälisch-Lernen nicht wirklich weiterkomme... Immerhin bleibt alles hängen, was ich bei Stòras Òran lerne... (Da sieht man mal, was das SPRECHEN ausmacht!)

Ich verfolge dieses Thema sehr genau, ehrlich gesagt mit ziemlichen Bauchschmerzen. Möglicherweise liegt das daran, dass ich ein grundsätzliches Problem damit habe, wenn irgendjemand irgendwem Diktate macht (außer in der Schule im Sprachunterricht)... Meine Großmutter war hier (ein Stück weg, im Vogtland) eine recht bekannte, hoch verehrte Mundartforscherin, die es immerhin zu einer eigenen Abteilung im Museum gebracht hat. Trotzdem hab ich selbst überhaupt keinen Zugang zu dieser Mundart. Ist das nun schlimm???? Ich trag also dazu bei, dass diese Mundart nicht im Sinne meiner Großmutter weiterlebt... Sie hat's versucht, mit Diktat. Ohne Erfolg. Sie hat genau das erreicht, was sie nicht wollte... Ich würde es als mangelnde Sensibilität ihrerseits bezeichnen. Ich stimme mit allen überein, die sagen, dass man mit Druck von außem wohl keinen Schotten dazu bringen kann, Gälisch zu lernen und / oder zu sprechen, wenn er das selbst nicht will.

Das ist doch aber mit allen Dingen so, oder?? Wenn ich mal von meinem Beruf ausgehe: Wenn einer partout nicht tanzen will, dann kann ich mich auf den Kopf stellen und / oder meinen ganzen Charme einsetzen - er wird's nicht tun. (Obwohl das jammerschade ist!!)

Was den kleinen Geldbeutel angeht: Ich finde es wunderbar für Michael, dass er so oft nach Schottland fahren kann! Im übrigen wäre er wohl kaum da, wo er jetzt ist, wenn er NICHT so oft in Schottland wäre. Und für uns als seine Schüler - egal, ob Sprache oder Musik - ist es doch ein ungeheurer Gewinn! Ich hab es auch noch nicht bis nach Schottland geschafft, weil immer irgendetwas dazwischenkommt, was mein Geld ganz plötzlich verschwinden läßt... (es steht auf meiner Reise-Wunschliste ganz oben). Aber ich hab mir sagen lassen, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, auch mit weniger Geld zu reisen. Und - ich stimme Michael voll und ganz zu - REICHTUM ist was ganz anderes als der (bloße) Besitz von Geld. Ich werd bei dem, was ich tue, nicht reich an Geld. Aber das, was ich zurück bekomme - von Schülern, Eltern, Zuschauern und wer da nicht noch alles ist -, bedeutet mir 1000-mal mehr. Dass wir so viel haben, was wir geben und (mit-)teilen können, das ist für mich Reichtum.

Ich bin die Letzte, die belehren will, aber - Abendländer -, du entscheidest doch auch selbst, was du von dem, was du gelernt hast und noch lernst, in der Praxis tatsächlich nutzt. (Ich nutze die Gälische Sprache beim Singen, die schottische und irische Musik beim Harfespielen, und die dazu gehörigen Tänze beim Unterricht und rein privat. Von allen Kulturen, mit denen ich mich beschäftigt habe und beschäftige - und das sind eine ganze Menge -, berührt mich die schottische am tiefsten.)

Michael - ich hab mich grad für Stòras Òran angemeldet :-) Ich freu mich so!!!!!!! Ich verspreche hoch und heilig, dass ich mich, sobald sich alles beruhigt hat, auch wieder mehr mit der Sprache befasse!! Es geht langsam aufwärts...

Livia

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » Mo Okt 18, 2010 11:56 am

Ich glaube, hier versteht mich keiner so richtig.
Es geht mir nicht darum, anderen etwas aufzwingen zu wollen. Es geht mir darum, meine Vorstellungen über wirkungsvolle Verteidigung von bedrängten Sprachen mitzuteilen. Außenstehende können nur Anregungen geben. Die Entscheidung über die Verteidung ihrer Sprache müssen die Einwohner des Sprachgebietes selbst treffen. Jedoch gilt jenen Bewegungen meine größte Bewunderung und Anerkennung denen, die stolz auf ihre Heerkunft und Sprache sind und dafür eintreten. Ich habe aus der Beschäftigung mit bedrängten Völkern und Sprachen weltweit für mich selbst gelernt, daß es mein gutes Recht ist, auf meine eigene Herkunft stolz zu sein. Dadurch ist mir noch klarer geworden, was im eigenen Land im Argen liegt. Irland (mit einschließlich Nordirland) ist ein Anschauungsbeispiel sowohl dafür, was Erfolg verspricht als auch für schwere Fehler, die woanders niemals wiederholt werden dürfen.
Klar ist, daß überall auf der Welt entschieden gegengesteuert werden muß, wenn wir nicht wollen, daß viele Kulturen und Sprachen dem Verfall preisgegeben werden.

Suas leis an Gàidhlig!


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