Gälisch in der Schule

Abendländer
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Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » So Sep 12, 2010 2:07 pm

Ich habe mir im Netz mal angesehen, inwieweit Gälisch an schoottischen Schulen angeboten wird. Dabei fällt mir auf, daß das Angebot immer noch recht dünn ist. Da ist das Angebot ja sogar das Angebot für Bretonisch im angestammten Sprachgebiet in der Bretagne besser, obwohl die Bretagne im nicht gerade sprachenfreundlichen Frankreich liegt.
Gaelic-medium education: rund 2.000 Schüler
Zweisprachige Klassen in der Bretagne: rund 11.000 bis 12.000 Schüler
Gälisch als Fach: rund 3.000 bis 4.000 Schüler
Bretnosch als Fach: rund 5.000 Schüler
Hinzu kommen noch Einführungsstunden in Bretonisch in Grundschulen mit rund 15.000 bis 20.000 Schülern.

Fehlte es in Schottland und fehlt es teilweise immer noch an kämpferischem Einsatz vieler Leute für die Sprache? In Wales ist Walisisch mittlerweile Pflichtfach. Und auch Wales ist Teil von Großbritannien.

Gaelic-medium education müßte auf den westlichen Inseln eigentlich die grundsätzliche Regel sein. Im den Highlands müßte Gälisch Pflichtfach sein.

Slàn,

Alex

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Sleite » So Sep 12, 2010 4:25 pm

Hi Alex

Ich kann nichts zu diesen Zahlen sagen, und vielelicht waere es gut, wenn du uns eine Quelle geben koenntest.
Ich kann nur sagen, dass die Zahl der Schueler die ind er Schule irgendeine Form von Gaelisch bekommen schwer gestiegen ist. Besonders Gaelisch als Unterrichtssprache ist eine relativ neue Sache in den meisten Regionen, und immer mehr Eltern verlangen gaeischsprachigen Unterricht, weil das jetzt gerade modern ist.
Dabei gibt es aber noch viele Probleme:
- Viele Gemeinden sind so klein, dass sie es sich nicht leisten koennen Klassen in meiden Unterrichstsprachen anzubieten, udn wegen der allgemeinen Angst, komplett auf Gaelisch umzusteigen, bleibt es dann in den meisten Faellen bei einer englischen Schule. In den meisten Schulen wo gaeilsch als Unterrichstsprache anbeboten wird, gibt es Gaelische und englische Zweige, was mehr oder weniger eine Notloesung ist. Denn obwohl die Kinder im Klassenraum Gaelisch zu hoeren kriegen, sieht die Schulhofrealitaet anders aus.
- das groesste Problem ist wahrscheinlich noch dass immernoch sehr viel Missverstaendis bezueglich Zweisprachigkeit und des Wertes der gaelischen Sprache herrscht, was dazu fuehrt dass viele Leute noch gegen gaelische Schulen sind. Die Meinung dass die Kinder nur eine Sprache richtig lernen koennen, Zweisprachigkeit das Lernen behindert und die gaelische Sprache nutzlos in der grossen weiten welt ist, ist leider immernoch vorherrschend.
- dazu kommt noch dass es noch bei weitem nicht genug Lehrer (und dazu noch gute!) gibt und dass das Unterrichtsmaterial noch lange nicht ausgereift ist. Oft muessen die Lehrer selbst ihr Material herstellen, was meistens dazu fuehrt dass es Uebersetzungen vom englischen Material sind. Dabei wird vergessen dass Sprache und Kultur eng verstrickt sind, udn dass sich eigentlich im Unterricht widerspiegeln sollte.

So. genug geschwafelt. Ich finde wir sollten hier weiter diskutieren.
Slèite
Cha dèan brògan tioram iasgach.

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon NoClockThing » So Sep 12, 2010 8:10 pm

Ich finde, Du hast den Nagel ganz gut auf den Kopf getroffen.
'S e saoghal a th' anns gach cànan

Abendländer
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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » Mo Sep 13, 2010 1:11 pm

Ja, die Schülerzahlen sind ohne Zweifel seit rund 20 Jahren angestiegen. In den letzten paar Jahren sind sie aber in etwa gleichgeblieben. In der Bretagne ist der Anstieg ungebrochen.
Aber das Angebot bleibt sehr mager. Eine besondere Herausforderung im nördlichen Schottland ist sicherlich die dünne Besiedlung. Da hat die Bretagne den Vorteil, dichter besiedelt zu sein, was die Organisation vereinfacht.
Auf den Hebriden dürfte gar nicht erst die Frage nach der Schulsprache aufkommen. Eher müßte der Grundsatz lauten: Gälisch ist hier gängige Alltagssprache und jahrhundertelang verankert. Also wird auch in der Schule Gälisch gesprochen. Punkt. Überhaupt sollte die Einsprachigkeit im öffentlichen Leben das erklärte Ziel auf den Hebriden nach katalanischem Beispiel sein.
Im Hochlandgebiet sind in herkömmlichen Schulen eingegliederte Gälischklassen sicherlich die einzige mit angemessenem Aufwand umsetzbare Lösung. Neben den altbekannten Nachteilen hat das auch Vorteile. So kann man in gewissem Umfang Änderungen der Nachfrage recht schnell erwidern. Sofern Lehrkräfte vorhanden sind, lassen sich solche Klassen schnell einrichten, während der Aufbau einer neuen Schule mehr Aufwand bedeutet. Und wer weiß schon, ob durch die Mitschüler in der Gälischklasse nicht die Neugier einiger anderer Schüler geweckt wird? Vielleicht schnappen sie in den Pausen sogar etwas von ihnen auf.
Die Lehrkräfte in der Gälischklasse können auch gleich vor Ort in den anderen Klassen Gälischstunden erteilen.

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Isbeal » Mo Sep 13, 2010 5:25 pm

Als Hochlandschottin darf ich vielleicht auch etwas beitragen. Natürlich teile ich die allegemeine Meinung in solchen Foren, dass Gälisch in den Schulen und überhaupt mehr vertreten und gefördert werden soll, usw, usw.

Es ist aber leider die Tatsache, dass nicht alle Schotten, nicht mal alle Hochland- oder gar Gälischerzogene Schotten, der gleiche Meinung sind (wie oben aufgeführt), und was solche Schotten absolut nicht ertragen können, ist dass (gefühlte/gemeinte) Aussenstehende (ob andersdenkende Schotten/Engländer/Deutsche) ihnen sagen, was sie mit ihren Schulen und ihren Kindern und ihren Sprachen tun SOLLEN. Man muss sich in der Situation sehr vorsichtig ausdrücken.

Was besser ankommt, ist die Eigenartigkeit Schottlands / der Hebriden zu preisen und dann die Kultur und die Sprache auf natürlicher Art mit unterzubringen, und 'laut anzunehmen', dass man sich sicherlich glücklich schätzt, eine solche Sprache noch zu haben, wo andere Länder direkt neidisch wären. Wenn man das alles in Englisch sagt, was sicherlich der Fall sein wird, ist man zusätzlich selbst der Beweis dafür, dass Zweisprachigkeit was wert ist.

Wenn das alles schon mal halbwegs unangefochten ankommt, darf man die pfiffigen, absolut ungefährlichen zweisprachigen Verkehrschilder auch als Besucher laut bewundern... :twisted:

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » So Sep 19, 2010 2:37 pm

So, nach einigen Tagen bin ich nun dazu gekommen, mal die Quelle meiner Zahlen für die Bretagne und für Schottland herauszusuchen. Schaut mal unter

http://www.ofis-bzh.org und gaelicteaching.com.

Auf der Seite des Ofis ar Brezhoneg müßt Ihr auf " les services" und dann auf "observatoire" klicken. Dort gibt es einen Bericht "politique linguistique de la région Bretagne". Das ist zwar alles nur auf Französisch oder Bretonisch, aber auf Seite 59 und 60 gibt es eine Auflistung von Schülerzahlen für die Art und Weise, wie Bretonisch in der Schule vorkommt. Das kann man auch ohne Französischkenntnisse verstehen. Außerdem gibt es auch eine Karte von zweisprachigen Schulen in der Bretagne. Auf gaelicteaching.com kann man auch die Schülerzahlen, die irgendwie Gälisch in der Schule haben, sehen.

Bretonisch und Gälisch sind sich in heutigen Umständen und Geschichte sehr ähnlich. Die Sprecherzahlen für jene unterhalb des Rentenalters sind z. B. in etwa vergleichbar. Auch die Zweiteilung in ein (großes) Gebiet, wo die Sprache noch am meisten verwurzelt ist und jenes andere, welches schon seit Jahrhunderten durch eine andere Sprache geprägt ist, weist große Ähnlichkeiten zwischen Schottland und der Bretagne auf.

Wenn man dann das schulische Angebot und die Schülerzahlen miteinander vergleicht, sieht das Angebot in Schottland immer noch recht mager aus. Da ist die Region Bretagne und insbesondere das Departement Finistère doch sehr rührig. Und die haben immer noch mit Vorbehalten seitens der Zentralregierung in Paris zu kämpfen, welcher seitens London sicherlich schon deutlich nachgelassen hat. Außerdem hat Schottland schon mehr Macht als die Bretagne.

Auf der Haben-Seite kann man aber verbuchen, daß umliegende Gebiete sich mit der Stadt Edinburgh im Punkt Gälisch in der Schule abgesprochen haben. So gibt es die Regelung, daß Schüler, welche aus umliegenden Gebieten wegen Gälisch nach Edinburgh pendeln wollen/müssen, die Fahrkarte für den öffentlichen Verkehr dorthin bezahlt bekommen. Ist jemandem von ähnlichen Absprachen woanders in Schottland bekannt? Es ist klar, daß sich ein zentrales Angebot in einer Großstadt anbietet, wenn die Nachfrage mäßig ist.

Erstaunt bin ich darüber, daß es hinsichtlich Gälisch im weiteren Umland von Aberdeen so düster aussieht, obwohl es an Gebiete grenzt, wo Gälisch vor nicht allzu langer Zeit noch mehrheitlich oder häufig gesprochen wurde. Im Tiefland südlich von Glasgow und Edinburgh ist es verständlich, daß Gälisch im Schulwesen nicht so eine große Rolle spielt. Merkwürdig finde ich nur, daß in einer Liste ausgerechnet beim Gebiet Scottish Borders "some provision" steht und es im Gebiet Dumfries gar nichts gibt. Denn im Gebiet Scottish Borders ist Gälisch noch nie muttersprachlich verbreitet gewesen, soweit ich das gelesen habe.

Im Gespräch mit bestimmten Einheimischen würde ich mich natürlich anders ausdrücken als hier unter uns:)
In dieser Hinsicht habe ich schon Erfahrungen mit dem Irischen gemacht. Es ist eine Binsenweisheit, daß man sich als Außenstehender immer höflich ausdrucken muß, wenn man nicht Abwehr ernten will. Der beste Beweis, daß Gälisch einen Wert hat, ist gewiß, wenn man es selbst spricht:) Einsprachigkeit können sich eigentlich heute nur noch englische Muttersprachler leisten. Ja, nach meiner Vorstellung ist Einsprachigkeit unterhalb des Rentenalters eher ein Zeichen von Beschränktheit.

Es gibt in Schottland für Gälischbefürworter also noch viel zu tun!

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Alex

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon NoClockThing » Mo Sep 20, 2010 2:53 pm

Abendländer hat geschrieben:Ja, nach meiner Vorstellung ist Einsprachigkeit unterhalb des Rentenalters eher ein Zeichen von Beschränktheit.

Oder ein Zeichen dafür, daß man unter schwierigen Umständen aufgewachsen ist oder aus anderen Gründen die Chance verpaßt hat... ich selber kann mir ein einsprachiges Laben zwar nicht vorstellen, aber ich habe Freunde, die außer Deutsch nix können. Die sind deswegen aber nicht gleich doof ;)

Ich finde es aber wichtig, daß Kinder eine zweite Sprache mitbekommen, der erweitert die Möglichkeiten und jede Richtung, nicht nur richtung Karriere schielend, sondern auch kulturell.
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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » Mo Sep 20, 2010 3:51 pm

Die Formel einsprachig = doof wäre in dieser Form zu stark vereinfacht. Es bleibt aber festzuhalten, daß heute eigentlich jeder in der Schule mindestens Englisch lernt. Etwas anderes ist das bei jenen, die während oder vor dem Krieg geboren worden sind. Da hatte noch nicht jeder die Gelegenheit, eine Sprache zu lernen. Und im fortgeschrittenen Alter ist das oft viel schwieriger als in jüngeren Jahren...
Heutzutage sollten Kenntnisse in der Staatssprache, Englisch und einer Regionalsprache des Heimatlandes Standard sein, was auch in der Bildungspolitik gefördert werden sollte. Je nach Umständen ist entweder die Staats- oder Regionalsprache die Muttersprache. Wobei ich finde, daß der Regional- und der Staatssprache immer der Vorzug bei zweisprachigem Schulunterricht vor einer "echten" Fremdsprache gegeben werden sollte. Diese beiden sind es, welche einen Bezug zum Wohnumfeld eines Kindes haben. "Echte Fremdsprachen" sollten meiner Meinung nach weiterhin in klassischer Weise unterrichtet werden.

Für Schotland heißt das, daß nur Englisch, Scots und Gälisch im Unterricht verwendet werden sollten.

Alex

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon NoClockThing » Mi Sep 22, 2010 7:05 pm

Man kann "echte Fremdsprachen" aber genausogut im bilingualen Unterricht einsetzen. Das wäre doch für die armen Engländer und Amis unfair, denn sie hätten nach diesem Modell nur die Wahl zwischen Englisch (Staatssprache), Englisch (Englisch) und Englisch (Regionalsprache). Wo es eine Regionalsprache gibt, bietet es sich dann natürlich an, die Regionalsprache sowie die Staatssprache im bilingualen Unterricht einzusetzen, sowie 1-2 Fremdsprachen als Fach, wobei Englisch hier natürlich aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung klar der Gewinner sein wird.
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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon akerbeltz » Do Sep 23, 2010 2:27 am

Wir duerfen auch nicht vergessen, dass man solche Zahlen nicht absolut betrachten sollte sondern in Verhaeltnis zu den Sprecher/Einwohnerzahlen. Es gibt keine genauen Zahlen fuers Bretonische, aber wohl irgendwo zwischen 270,000 und 200,000. Dagegen stehen hier 58,000.

Prozentual zu den Sprecherzahlen gesehen, sind das zirka 5.5% fuer die Bretonen und 3.4% fuer die Gaelen. Keine der beiden Zahlen ist natuerlich "gesund" aber so betrachtet, ist der Unterschied nicht so gewaltig.

In Wales sind es 15.8%, im Baskenland 54.7% (nebenbei gesagt, das sind im Baskenland zufaellig auch zirka 50% aller Schueler).

Grosser Nachholbedarf...

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » Do Sep 23, 2010 2:14 pm

Bretonisch hat ein viel stärkeres Ungleichgewicht im Alter der Sprecher als Gälisch. Ich habe einmal ausgerechnet, daß es etwa 60.000 bis 70.000 Menschen unterhalb des Rentenalters gibt, die Bretonisch sprechen können. Beim Gälischen sind es etwa 40.000 bis 50.000, je nachdem, welche Fähigkeitsmerkmale man dazurechnen möchte.
Die Bretagne insgesamt, mit einschließlich von Loire-Atlantique, was früher zur Bretagne gerechnet wurde, etwa 4,4 Mio Einwohner. Schottland etwa 5,1 Mio. Das Kern-Sprachgebiet, die Niederbretagne, hat etwa 1,3 Mio Einwohner. Das Kerngebiet des Gälischen dürfte bei höchstens 500.000 Einwohnern liegen. Also durchaus vergleichbar.
So weit ich das Berichten entnehme, scheint die Umtriebigkeit einiger Sprachverfechter in der Bretagne stärker zu sein als in Schottland. Was dort auf die Beine gestellt worden ist, ist vor allen Dingen vor dem Hintergrund beachtlich, daß es immer noch Politiker und Leute in der Bretagne gibt, die sich im Namen der revolutionären französischen Republik gegen Bretonisch aussprechen und dem Bemühen darum zum Teil sogar feindselig gegenüberstehen. Ja, manche werfen den Bretonischverfechtern sogar Sektiererei und gezielte Beeinflussung von Kindern vor. Ich glaube, solche Anschauungen gehören in Schottland zum größten Teil der Vergangenheit an. Auf jeden Fall dürfte das gesamtgesellschaftliche Umfeld in Schottland wesentlich freundlicher dem Gälischen gegenüber sein als in der Bretagne gegenüber dem Bretonischen. In Schottland scheint ist es wohl eher Gleichgültigkeit vieler Leute.

Ja, in England sehe ich, außer in Cornwall und bei Zugewanderten, eher wenig Sinn in zweisprachigem Unterricht. In den USA liegen die Sachen wieder etwas anders. Die Mehrheit der Amerikaner stammen von nicht-englischsprachigen Völkern (und vereinzelt Ureinwohnern) ab. Einzelne Amerikaner sprechen immer noch die Sprache ihrer Vorfahren. Deshalb fände ich die Wiedereinführung der Zweisprachigkeit Englisch/"Erbsprache"/Indianersprache ("heritage language" auf amerikanischen Seiten") über das Schulwesen durchaus sinnvoll, um die Amerikaner/Indianer (wieder) mit ihrer Herkunft und Wurzel vertraut zu machen. In den USA würde sich das verstärkte Unterrichten von Indianersprachen sozusagen als "Regionalsprache" an Schulen anbieten. In Australien und Neuseeland gibt es schon Bestrebungen in diese Richtung. Wenn es um die zwei Sprachen geht, die als Unterrichtssprache eingesetzt werden, so sollte meiner Meinung nach die Wahl immer auf der Staats- und Regionalsprache liegen.
Bei "echten" Fremdsprachen befürworte ich eher Aufenthalte im Ursprungsland, um die Kenntnisse zu vertiefen.

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon akerbeltz » Do Sep 23, 2010 7:31 pm

Naja, nicht dass das ein Wettbewerb in "wer hat die schlechteste Demographie" ist aber ich hatte mir vor einem halben Jahr mal die Zahlen des letzten Census fuer Greater Glasgow vorgenomment. (Ausm Kopf) waren das bei zirka 10,000 insegsamt fast 80% die aelter als 35 waren und ueber 60% die aelter als 50 waren. Nur um wenig besser.

Zu geringe Sprecherdichte, zu geringer Sprecherprotzenstatz in der Gesamtbevoelkerung, zuwenig Mumm und ein Organisationstalent, das die Italiener im Vergleich wie Deutsche erscgeinen laesst... Die Bretonen haben in ihrer Sturm und Drang Periode dann einfach im Container Schule gemacht. Es ist wohl kennzeichnend dass Gaelic Medium Education von Anfang an innerhalb des Education System stattgefunden hat und nie ausserhalb oder unabhaengig; sowas wie Diwan oder die Ikastolak ist hier nahezu undenkbar. Waere aber dringen noetig.

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » Do Sep 23, 2010 11:51 pm

Meine Angaben beziehen sich auf alle Gälischkundigen, die ich dem Census von 2001 entnommen habe. Mag sein, daß die Altersverteilung im Großraum Glasgow derart schlecht aussieht. Auf die Gesamtzahl bezogen ist die Verteilung allerdings eindeutig günstiger als beim Bretonischen. Auch beim Bretonischen gibt es deutliche Unterschiede unter den Gebieten. Im alten Rückzugsgebiet dürfte es bei der Altersverteilung beim Gälischen deutlich besser aussehen als beim Bretonischen. Ja, in der Sturm-und-Drang-Zeit haben Verfechter der Sprache Erstaunliches geleistet. Nur deren Einsatz ist es zu verdanken, daß die Politik der Region und der niederbretonischen Departements sich nun auch der Förderung angenommen haben, auch wenn es gewiß unter den einzelnen Politikern und Verwaltungsleuten immer noch Gegner gibt. Die Stimmung in der Bretagne würde ich mit jener in Schottland der 70-er Jahre vergleichen.

Hätte es in Schottland eine ähnliche Bewegung gegeben, sähe es beim Gälischen bestimmt heute besser aus.

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon mona nicleoid » Di Sep 28, 2010 10:19 pm

Abendländer hat geschrieben:Auf den Hebriden dürfte gar nicht erst die Frage nach der Schulsprache aufkommen. Eher müßte der Grundsatz lauten: Gälisch ist hier gängige Alltagssprache und jahrhundertelang verankert. Also wird auch in der Schule Gälisch gesprochen. Punkt.


Das geht aber so nicht. Weil viele Einheimische das gar nicht so sehen, und weil solche Sachen nicht funktionieren, wenn sie den Leuten von oben oder von außen aufgedrückt werden.

Überhaupt sollte die Einsprachigkeit im öffentlichen Leben das erklärte Ziel auf den Hebriden nach katalanischem Beispiel sein.


Das ist Quark, und mit Katalanisch z.B. überhaupt nicht vergleichbar. Großbritannien ist ein englischsprachiges Land. Das kannst du nicht zurückdrehen, und auch in Wales sind alle Walisischsprecher bilingual. Das "erklärte Ziel" kann, wenn überhaupt, also nur regionale Zweisprachigkeit sein.

Und wer weiß schon, ob durch die Mitschüler in der Gälischklasse nicht die Neugier einiger anderer Schüler geweckt wird? Vielleicht schnappen sie in den Pausen sogar etwas von ihnen auf.


Gerade unter den Kindern und Jugendlichen ist die Dominanz des Englischen sehr groß, zum einen durch den Mediendruck, zum anderen schlicht durch den Pragmatismus in der Kommunikation: Kinder, auch wenn sie Gälisch sprechen, werden sich nicht aus sprachaktivistischen Gründen dazu hinreißen lassen, Gälisch zu reden, wenn einer oder mehrere dabeistehen, die es nicht verstehen. Das erleben Familien in bilingualen Situationen überall auf der Welt: selbst wenn die Kinder mit den Eltern und Großeltern brav die Herkunftssprache sprechen, reden die Geschwister untereinander oft die Sprache, die sie auch mit den Freunden auf dem Schulhof sprechen. Kinder sind insofern ein guter Indikator für das soziale Prestige einer Sprache, abseits der Schönredereien der Sprachpolitik.
~ ~ ~ ψυχης εστι λογος εαυτον αυξων ~ ~ ~

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Re: Gälisch in der Schule

Beitragvon Abendländer » Mi Sep 29, 2010 3:17 pm

Ich meine natürlich nicht, daß man einsprachig gälische Einwohner heranziehen soll. Das wäre natürlich Unsinn. Aber die Hebriden-Einwohner wären gut beraten, sich Katalonien als Vorbild zu nehmen. Das bedeutet, daß Gälisch wieder mehr und mehr zur Sprache wird, die im öffentliche Leben überall vorherrscht und ganz selbstverständlich gebraucht wird. Es steht und fällt natürlich mit dem Ansehen einer Sprache. Wenn die meisten Gälischsprecher sich einig wären, würden sie wohl Druck auf amtliche Stellen ausüben, daß der öffentliche Gebrauch des Englischen auf den Hebriden deutlich eingeschränkt wird und Englisch als Unterrichtssprache dort abgeschafft wird. Ich könnte mir die Einführung rein gälischsprachige Schilder vorstellen. Wer auf seine Sprache viel Wert legt, wird von Zuzüglern einfach erwarten, daß sie die Sprache lernen.

In Katalonien ist das hohe Ansehen der Sprache der Grund dafür, daß sie sich auch in Zeiten der Unterdrückung gut gehalten hat und daß man seit Francos Tod den Gebrauch des Spanischen wieder gezielt zurückdrängen will. Das erkennt man auch daran, daß man heute auf Verkehrsschildern in Katalonien fast ausschließlich Katalanisch sieht. Der Schulunterricht findet überall auf Katalanisch statt. Wer dort die Schule besuchen will, muß sowohl Katalanisch als auch Spanisch ausreichend beherrschen. Das gilt dort für alle Schüler, Ausländer eingeschlossen. Wer zuzieht, von dem wird erwartet, Katalanisch zu lernen. Wer sich dem verweigert, kann bei so manchem Katalanen dafür die kalte Schulter gezeigt bekommen. Die Sache wird natürlich dadurch erleichtert, daß Katalanisch immer von ein paar Millionen Menschen gesprochen wurde.

Aber auch Walisisch ist ein ermutigendes Beispiel für wiedergewonnenen Stolz seiner Sprecher. Ich sehe sichtbare Zweisprachigkeit vor Ort eher als Übergangslösung, die der Verdrängung einer Sprache geschuldet ist. Wo es auf absehbare Zeit machbar ist, finde ich es sinnvoll, wieder der Einsprachigkeit zuzustreben, d. h. daß überwiegend nur die Regionalsprache sichtbar ist. Damit meine ich natürlich nicht, daß ich nicht befürworte, daß der Einzelne durch die Schulbildung drei oder mehr Sprachen beherrscht. Im Gegenteil! Ich finde, heutzutage sollte jeder Schüler nach Verlassen der Schule die Staats- oder Verkehrssprache im Umkreis, die Regionalsprache und Englisch einigermaßen beherrschen.

Das stimmt schon, daß vor allem jüngere Kinder pragmatisch handeln. Aber es ist durchaus möglich, daß Kinder, die irgendwo und irgendwie mit der Herkunftssprache aufwachsen, außerhalb der Familie mit zunehmendem Alter und zunehmender Reife vermehrt auf sie zurückgreifen werden. Ich habe in Irland den Erfolg der Gaelscoils selber gesehen. Ich habe (ehemalige) Schüler getroffen, die sehr stolz auf die irische Sprache sind und nach Abschluß der Schule mit ehemaligen Schulkameraden immer noch ausschließlich Irisch sprechen. Ich habe sogar schon Iren getroffen, die Irisch auf einer einfachen Schule gelernt haben und es bereits im Jugendalter mit Gleichaltrigen benutzt haben. Das ist zwar nicht die große Mehrheit, aber es ist denkbar, daß Jugendliche sich vom rein pragmatischen Handeln abwenden.


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