Drei Teile Schottlands

Sprachgeschichte, -entwicklung, -wissenschaft zu Gälisch und indo-europäischen Sprachen
Abendländer
Beiträge: 17
Registriert: Mo Jul 12, 2010 10:55 pm
Wohnort: Gummersbach

Drei Teile Schottlands

Beitragvon Abendländer » Di Jul 13, 2010 1:00 am

Ich packe es einfach hierhin.
Wenn man sich die geschichtliche Prägung Schottlands ansieht, könnte man Schottland in drei Landesteile gliedern. Da ist das Tiefland, wo sich das Scots schon früh durchgesetzt hat. Dann der größte Teil vom Hochland unf fir erstlichen Inseln,wo sich das Gälische recht lange halten konnte. Und schließlich die Shetland-und Orkney-Inseln sowie Caithness, wo bis vor nicht allzu langer Zeit Norn, eine nordische Sprache, gesprochen wurde.
Was hat das nun mit Sprachwissenschaft zu tun? Nun gut, ich habe mir mal auf Youtube etwas im Doric, der Scots-Mundart im Gebiet um Aberdeen, angehört. Mir kam der Klang wie eine Mischung aus Gälisch und Walisisch vor. Nun habe ich gelesen, daß man ungefähr bis hinauf nach Glasgow und Aberdeen früher Kumbrisch sprach, eine mit dem Walisischen verwandte Sprache.
Hat das Kumbrische neben dem Gälischen tatsächlich Spuren hinterlassen? Daß Gälisch im Scots Spuren hinterlassen hat, ist eindeutig klar.
Gälisch und Scots haben sich teilweise wohl überschnitten und tun es vereinzelt heute noch. So wird im Gebiet Stirling Scots gesprochen, aber die Gälischsprecher gibt es als kleine Minderheit immer noch. Es wäre aufschlußreich zu erfahren, ob dort noch eingesessene Muttersprachler aus alter Zeit übrig sind, die ihre Kenntnisse noch weitergereicht haben, oder ob es nur Lerner sind.
Ich würde auch gerne erfahren, ob es bis heute ein Nebeneinander von Scots und Gälisch in Gebieten gibz, wo das Gälische erst recht kürzlich verdrängt wurde oder ob hier nur Standardenglisch das Gälische verdrängt hat. Hat sich ein Hochland-Scots gebildet oder handelt es sich um Standard-Englisch mit Hochlandfärbung?
Beim Scots der Shetland- und Orkneyinseln hört man noch deutlich den nordischen Einschlag heraus. Diese Inseln gehörten auch einst zu Norwegen.
Wenn man sich das "tiefste Tiefland" ansieht, so südlich von Glasgow und Edinburg, muß man zugeben, daß Gälisch nicht mehr wirklich zum Erbe dieses Gebietes gehört, sondern eher Scoots.
Ich denke, es ist schade, daß das alte Norn heute erloschen wäre. Damit hätte Schottland noch ein Kulturerbe mehr.
Alex

mona nicleoid
Beiträge: 2420
Registriert: Di Jun 10, 2003 2:33 pm
Wohnort: gleann a' cheò ;-)
Kontaktdaten:

Re: Drei Teile Schottlands

Beitragvon mona nicleoid » Di Jul 13, 2010 8:06 pm

Auch in Caithness wurde Gälisch gesprochen... da gab es vor einiger Zeit im gälischen Radio mal ein wunderschönes Interview mit einer Frau, die dort aufgewachsen ist (vor dem 2. Weltkrieg, oder kurz danach, glaub ich).
Cumbrisch hat zumindest in Ortsnamen Spuren hinterlassen... wie es sich auf die nachfolgenden Gälisch- und Englischsprecher ausgewirkt hat, weiß ich nicht so genau.
In vielen Städten, die schon länger Englisch geprägt sind, gab es wegen der Industrialisierung einen starken Zuzug von gälischsprechenden Menschen aus den Highlands und Inseln, wodurch sich z.B. in Glasgow eine starke gälische Community gebildet hat. Vielleicht ist das in Stirling auch so. Daneben gibt es natürlich seit den 1970er-Jahren vermehrt Lerner, auch z.B. Studenten, die aber oft keine wirklich generationsübergreifende neue Sprachtradition begründen.
Das "Highland + Islands English" (also in den Gebieten, die bis vor einigen Generationen gälischsprachig waren oder noch sind) ist ganz anders als Scots, es ist sehr vom gälischen Tonfall geprägt. Andererseits hört sich z.B. Lewis-Gälisch sehr nach Norwegisch an, weil es dort einen besonders starken Wikinger-Einfluss gab (den es insgesamt auf fast allen Hebriden-Inseln gab).
~ ~ ~ ψυχης εστι λογος εαυτον αυξων ~ ~ ~

Isbeal
Beiträge: 1013
Registriert: Do Jun 29, 2006 11:25 pm

Re: Drei Teile Schottlands

Beitragvon Isbeal » Mi Jul 14, 2010 10:00 pm

Mona:
Das "Highland + Islands English" (also in den Gebieten, die bis vor einigen Generationen gälischsprachig waren oder noch sind) ist ganz anders als Scots, es ist sehr vom gälischen Tonfall geprägt


Das ist richtig; aber der Satzbau und viele Vokabeln bei typischen Berufen (Fischerei, Crofting) sind oder waren (bis die Medien und 'incomers' nach und nach für standardisierteres Englisch sorgten) auch sehr stark vom Gälischen geprägt.

Z.B:

Oh, it's you that's in it! (Ach, du bist es!) > 'S e tusa a th' ann.

'FOO-lak' für Möwe > faoileag
'LAH-ri' für lorry > làraidh (also gälische Betonung and Lautfarbe)
Burach für Durcheinander

usw

Abendländer
Beiträge: 17
Registriert: Mo Jul 12, 2010 10:55 pm
Wohnort: Gummersbach

Re: Drei Teile Schottlands

Beitragvon Abendländer » Do Jul 15, 2010 11:56 pm

Das ist nicht verwunderlich, daß das Insel- und Hochland-Englisch gälisch geprägt ist, wenn Gälisch immer nich die Muttersprache von einigen Einwohnern ist.
Haz sich Scots nicht auf dem Festland von Süden und Osten her ausgebreitet? Im Hinterland von Aberdeen wurde bis vor nicht allzulanger Zeit fast nur Scots in der Mundart Doric gesprochen. In angrentenden, ehemals Gälischsprachigen Gebieten wäre deshalb ein gälisch geprägtes Scots denkbar.
Norn ist in Caithness schon vor vor ein paar Hundert Jahren ausgestorben. Auf den Shetland-Inseln hat es sich noch bis ins 19. Jahrhundert gehalten. Ob das Gälische damals noch so stark war, daß es in Caithness das Norn verdrängt hat? Es wurde in einem Bericht erwähnt, daß im Umkreis von Caithness eine Zeitlang sowohl Norn als auch Gälisch verbreitet waren. Wurde auf Lewis wohl mal Norn gesprochen?
Klar dürfte sein, daß auf den Shetland- und Orkney-Inseln noch nie Gälisch gesprochen wurde, außer von Zugereisten. Die Förderung des Gälischen wäre dort gegen deren geschichtliche Wurzeln. Der Erhalt des besondern Insel-Scots oder gar die Neubelebung des Norn wären dort eher angezeigz. Die Shetlander sollen sich angeblich auch nicht als Schotten sehen.
Ich habe gesehen, daß sich Gälisch in Galloway noch recht lange gehalten hat. Man könnte also darüber streiten, ob Galloway noch zum ursprünglisch gälischen Landesteil gerechnet werden kann. Zweifelsfrei dürften einige an das Hochland angrenzende Gebiete dazu zählen.
Weiß jemand von Ausführungen, wann das Gälisch südlich einer Linie Glasgow-Edinburgh, von Galloway abgesehen, als Sprache der Ortsansässigen verschwunden ist? Gibz es tatsächlich ein Südost-Gebiet, wo Gälisch nie Erstsprache war? Gelernt wurde dort Gälisch bestimmt, als der Rest Schottlands noch gälischsprachig war.
Zuletzt wäre es wissenswert, wieviele der 58.000 Sprecher Muttersprachler sind. Eine Studie setzt die Zahl bei niedrigen 12.000 an.
Jedenfalls kann man einen Unterschied zu Irland festhalten: Während in Irland eine gewisse gälische Tradition im ganzen Land fortbestanden hat, gilt das in Schottland nur für einen Teil des Landes.

Alex


Zurück zu „Keltisch-Linguistisches“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast